Das Jupiter-12

ist eine Kopie des Carl Zeiss Biogon 35mm/2.8 und wurde von 1947 bis in die 90er von KMZ, ab den frühen 60er von LZOS produziert. Das Jupiter-12 gibt es mit M39/LTM Gewinde und Kiev 4/Contax-Bajonett.

Sechs sphärische Linsen in vier Gruppen.
Die Blende läßt sich stufenlos von 2,8 bis 22 einstellen. Das ist allerdings etwas fummelig, da der Blendenring sich vorne, leicht versenkt, im Objektiv befindet.
Auf der Schnittzeichnung befindet sich die Rücklinse auf der rechten Seite.

Bei offener Blende wird es in den Ecken und den Rändern dunkel und sehr unscharf. Das Koma ist sehr ausgeprägt. Technisch betrachtet ist diese Schrebe Schrott.
Nein, wie sagte Thomas W. über ein anderes UDSSR-Glas, es hat Charakter. Und diese Glas hat davon sehr viel.

Ab f5,6/f8,0 sind die Fehler fast nicht mehr vorhanden.

Bei offener Blende rendert das Jupiter-12, meiner Meinung nach, die Unschärfe sehr angenehm und lebendig.

Durch die außergewöhnliche Bauart ragt das Objektiv sehr tief in die Kamera. Bei Zorkis und FEDs sollte das kein Problem sein. Bei den Bessa R und L stößt das Jupiter-12 an. An Nikon Z läßt es sich problemlos adaptieren.

Um 100€s sind eine Ansage. Wer Perfektion erwartet, sollte diesen Schrott nicht kaufen.
Wer allerdings Spass an den Fehlern hat und diese zu nutzen weiss, bekommt ein sehr spannendes Objektiv, mit einer Menge Charakter. An einer 24 Megapixel Knipse ist es der Hammer.

Wien 2021, Karl Marx-Hof

Bis auf die zwei ersten (3.5/100),
Mamiya-Sekor 1:6.3 50mm @f11,
Kodak Tri-X,
Mamiya Universal

Mit der Schärfe des Sekor 1:6.3/50 bin ich nicht zufrieden. Vielleicht ist mein Exemplar nicht perfekt. Oder ich nutzte die hyperfokale Entfernungseinstellung falsch.
Ich hätte eh gerne die original Front- und Rückdeckel und die passende Streulichtblende. Vielleicht kaufe ich ein zweites Exemplar …

Die Tri-Xse ließ ich, in D-76, bei
Schwarzweiß Fotolabor – Atelier für analoges Handwerk
Erkrather Straße 292,
40231 Düsseldorf
entwickeln.

Passt. 6,50€ je Film. Auf einem Film gibt es zwei Trocknungsflecken. Auf dem ersten einen Kratzer. Der könnte auch von einem schmutzigen Magazin stammen.
Besser könnte ich es selbst nicht machen.

Hätte ich gewust, das es in Wien Gemeindebauten gibt, die Mieten deutlich unter denen in Münster sind, es hätte sein können, das ich nicht mehr im schönsten Dorf der Welt wäre.

Mamiya Universal

Die Mamiya Universal und ihre Vorgängerin Super 23 sind Messsucherkameras, mit wechselbaren Objektiven mit Zentralverschluss und wechselbaren Filmmagazinen, die im maximalen Format 6×9 und auf Polaroid 10.8×8.3cm knipsen können.
Die Kameras, die Objektive und alle Zubehörteile sind massiv, schwer und präzise gefertig. Wahrscheinlich halten sie, bei guter Behandlung ewig.

Die Sucher

Der in die Kamera eingebaute Sucher ist ein Messsucher. Das bedeutet, das es in der Suchermitte einen Fleck gibt, in dem das Bild zwei mal angezeigt wird. Durch drehen an der Entfernungseinstellung müssen die beiden Bilder zur Deckung gebracht werden um die exakte Entfernung einzustellen.
Das funktioniert bei der Mamiya Universal sehr gut.
Der eingebaute Sucher spiegelt Rahmen für die Brennweiten 100mm, 150mm und 250mm, für die Formate 6×9 und 6×7 ein. Der eingebaute Sucher hat einen an die eingestellte Entfernung gekoppelten Parallaxenausgleich.

Für die Brennweiten 75mm, 65mm und 50mm gibt es Aufstecksucher mit manuell einzustellenden Parallaxenausgleich.

Die Objektive

besitzen alle einen Seiko #0 Zentralverschluß, mit Verschlußzeiten von 1/500 bis 1 Sek. und B.
Entweder werden die Verschlüsse über einen Drahtauslöser oder einem Hebel oder Druckknopf, an verschiedenen, nicht immer praktischen Positionen, am Objekitv ausgelöst.
Mit dem Handgriff kann über einen Drahtauslöser ausgelöst werden. (fehlt bei meinem Exemplar)

Gruppen/Linsen° 6×9° 6×7extra Sucher
erforderlich
50mm f1:6.35/889°30′81°40′ja
65mm f1:6.34/475°40′67°50′ja
75mm f1:5.64/761°68°ja
100mm f1:3.53/453°30′47°30′nein
100mm f1:2.84/653°30′47°30′nein
127mm f1:4.73/443°30′38°40′nein
Suchermaske
150mm f1:5.63/437°10′32°40′nein
250mm f1:5.04/622°50′20°10′nein
250mm f1:8.04/622°50′20°10′nein,
Die Universal und Super 23 nutzen die gleichen Objektive.

Das Sekor 1:3.5 f=100mm

Sekor 1:3.5 f=100mm

ist ein Tessar-Typ (vier Linsen in drei Gruppen). Die Schärfe ist schon bei offener Blende gut bis sehr gut. Randlichtabfall und Verzeichnungen sind in der Praxis nicht vorhanden. Vielleicht sind sie messbar.
Die Unschärfe wird unaufgeregt und harmonisch, ohne Auffälligkeiten gerendert.
Im Gegenlicht neigt das Objektiv zu Überstrahlungen.
Das Sekor 1:3.5/100mm ist ein typischer Tessar-Typ. Ich kann es empfehlen. Ein Fan von Tessar-Typen werde ich nicht werden.
Meine ersten Testbilder finden Sie hier.

Das Sekor 1:6.3 f=50mm

Sekor 1:6.3 f=50mm

Sobald die ersten Bilder entwickelt sind berichte ich hier über meine Erfahrungen.

Die Filmmagazine

120/220 6×9

Für 120 und 220 Rollfilme gibt es wechselbare Filmagazine in den Formaten 6×9 und 6×7.

Nur für 120 Rollfime gibt es ein Filmmagazin mit umschaltbaren Formaten von 6×4.5, 6×6 und 6×9. Das Model K.

Für den Polariod Typ 100 Trennbild (10.8×8.3cm) gibt es für keines Geld (40 – 50€s) Rückteile auf EBay. Allerdings sind die Filme, wenn es sie noch gibt, extrem teuer. Hier und hier.

Außerdem gibt es, für 6×9 Planfilmkasetten Rückteile mit Mattscheiben und mit Lichtschacht, sowie mit horizontalen oder vertikalen Einblick.

An der Universal können, dank zweier Adapter, Mamiya oder Graflex/lok Rückteile (ist das Rückteil der meisten Großformat Kameras) angesetzt werden.

An die Super 23 können nur Mamiya-Rückteile angesetzt werden.

Polaroid / Sofortbild

Dadruch das das Loch hinten an der Mamiya Universal ca. 6x9cm oder 9,5×9,5cm groß ist, eignet sich die Universal grundsätzlich gut um Sofortbildfilme zu belichten.
Wie schon unter „Filmmagazine“ geschrieben, gibt es Rückteile für den Polaroid Typ 100, für kleines Geld auf EBay. Allerdings hat Fuji die Produktion des FP-100C 2016 eingestellt. Die SW-Varianten wurden schon zwei Jahre vorher nicht mehr produziert. Sollte man noch abgelaufene Restbestände bekommen, werde dafür Mondpreise verlangt. Darüber das Polariod es verkackt hat, muss ich hier nichts schreiben.
Supersense stellt Typ 100 kompatible peel-aparts her. Über die Qualität, Handhabung und Preis möge die Leserin, der Leser sich eine eigene Meinung bilden.

Welche Alternativen gibt es?

Fuji instax Wide,
gibt es auch in SW, hat ein passendes Format. Allerdings passen die nicht in ein Typ 100 Rückteil 😉
Zum Glück gibt es Menschen, die das Lomography Belair Instant Back an die Mamiya Universal adaptieren, z.B. Nate von Instant Options. Vorausgesetzt Sie finden noch ein Belair Instant Back.

Lomography wird Mitte 2021 das LomoGraflok 4×5 Instant Back herausbringen. Leider wird die Filmebene nicht dort sein, wo sie sein sollte. Es ist ein Distanzadapter für die Einstellscheibe erforderlich, so das die Fokusierung über den Mischbildentfernungsmesser im Sucher der Mamiya Universal nicht möglich sein wird. Ob die Fokusierung über die Planfilmrückteile möglich sein wird kann ich nicht beurteilen.

i-Type / 600 / SX-70,
Das EBay-Mitglied aaron7399 verkauft in seinem Shop auseinander genommenen und an die Universal adaptierte Polaroidkameras für die Filmtypen i-Type / 600 / SX-70.

Fazit

Wenn Sie eine große, schwere, unhandliche, langsame, komplizierte, für Fehlbedienungen anfällige, komplett manuelle, ohne Belichtungsmessung, Mittelformat Messsucherkamera suchen, kaufen Sie sich eine Mamiya Universal oder Super 23.
Ich ärgere mich, das ich über viele Jahre dieses System nicht ernst nahm. Im Gegensatz zur Fuji GW690 sind die Preise (Stand 3/2021) noch nicht explodiert. Angebote gibt es leider fast nur in Japan ( + Versandkosten + Einfuhrumsatzsteuer + Zollgebühren + Kapitalbereitstellungsgebühr). Dafür bekommt man ein robustes, präzise funktionierendes, vielseitiges System mit guten Objektiven.
Dieser, aufnahmebereit min. 2,7KG wiegende Koloss zwingt zur Gedult, Konzentration und Fokusierung. Das alles bringt mich zu „besseren“, zu überlegteren Bildern.
Durch den Zentralverschluss, im Gegensatz zu einer SLR bewegen sich deutlich weniger Massen bei der Auslösung. Eine 1/30, mit Normalobjektiv, aus der Hand ist möglich.
Zur Zeit probiere ich aus ob das dicke japanische Mädchen meine neue Point-and-shoot werden kann.

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