Flurstücke 019

Selfie mit 2 Handyfrauen

aufgenommen mit der Yashica Electro 35 GSN, auf APX 400 und entwickelt in D76 1+1

Nach langer Zeit habe ich meine Yashica wieder aktiviert und war erstaunt über den hellen Sucher und die vollkommen problemlose Funktionsweise.

Der Agfafilm ist auch absolut OK. Leider sind die Preise in den Drogeriemärkten gestiegen, weil andere Analogfotografen das inzwischen wohl auch gemerkt haben.

Canon EF 50mm f/1,8 II „Plastic Fantastic“

Über dieses Objektiv ist schon viel geschrieben worden. Im Netz gibt es hunderte Rezensionen in denen es total verrissen wird. Ich besitze es seit ca. 20 Jahren und nutzte es erst an einer analogen EOS 5 und jetzt auch an einer digitalen EOS 5D Mark II.

Einige Kritikpunkte sind sicherlich berechtigt, müssen aber relativiert werden:

  • Der Autofokus sei langsam, ungenau und laut.

Es stimmt, dass der AF sehr laut ist, langsam ist er auch im Vergleich zu Canon USM-Linsen. Aber mit etwas Geduld ist er doch relativ zuverlässig und genau. Erst recht, wenn man nur den mittleren AF-Punkt der Kamera aktiviert. Der AF funktioniert an neueren Kameras übrigens besser als an alten analogen Schätzchen.

  • Es handele sich um eine Plastiklinse oder um einen „Joghurtbecher“.

Es stimmt, dass der gesamte Korpus aus Kunststoff gefertigt ist. Selbst der Bajonettanschluss ist aus Kunststoff. Ich habe jedoch noch nie ein Problem damit gehabt. Mein Objektiv sitzt auch nach hunderten Objektivwechseln bombenfest an der Kamera. Auch die Mechanik funktioniert noch tadellos. Außerdem ist die Linse sehr leicht, was ich als vorteilhaft empfinde.

  • Die Schärfe sei unterirdisch.

Es stimmt, dass bei Blende 1,8 die Schärfe zum Rand hin abnimmt. Ab Blende 2,8 ist sie jedoch absolut in Ordnung. Aber vielleicht bin ich ja nicht so anspruchsvoll. Nach meiner Einschätzung ist es in der Abbildungsleistung durchaus vergleichbar mit meinem Nikon Ais 1,4 50mm. Besonders schön finde ich die Abbildungsleistung bei Offenblende und Gegenlicht. Teilweise wirken die Aufnahmen „butterweich“. Wenn die Sonne dann auch noch direkt ins Objektiv scheint bilden sich schöne „Flares“.

  • Das Bokeh sei eine Katastrophe.

Es scheint so, dass der unscharfe Bereich eines Objektivs heute wichtiger ist, als der Bereich, der scharf abgebildet werden soll. Es sind auch weniger Blendenlamellen als beim Nachfolger vorhanden (6 statt 7), was dazu führt, dass unscharfe helle Punkte leicht eckig wirken. Wenn man jedoch Blende 1,8 einsetzt, werden diese sowieso rund abgebildet.

 

Ein großer Vorteil des Objektivs wird bei den meisten Kritikpunkten oft übersehen. Ich habe für die Linse seinerzeit ca. 120,00 € (neu) bezahlt. Auch die neue STM-Ausführung mit Metallbajonett kostet nicht mehr! Das Objektiv ist den allermeisten Zoomlinsen optisch klar überlegen. Gerade unter den Gesichtspunkten Lichtstärke, Gewicht und Abbildungsleistung!

Wenn man das Objektiv richtig einsetzt, kann ich eine klare Empfehlung aussprechen.

Heute würde ich mir jedoch den Nachfolger kaufen, da einige Kritikpunkte beseitigt wurden.

Die nachfolgenden Bilder sind in Münster im LWL-Museum entstanden und geben einen Eindruck über die Leistungsfähigkeit der Linse wieder.

Die Aufnahmen wurden mit einer analogen EOS 5 auf Kodak TriX 400 gemacht.

 

 

Rolleicord 7

100 Jahre Bauhaus

Rolleicord V, Kodak TriX in D76

Bei dem Wohnhaus handelt es sich um das Haus Wiedemann.

Es steht in der Münzstraße 9 in Münster, wurde 1931 erbaut und trägt typische Merkmale der „neuen Sachlichkeit“.

Das Bauhaus (Kunstschule, Kunstakademie, Bauakademie) wurde 1919 vom Architekten Walter Gropius in Dessau gegründet.

 

Russenleica – Zorki 4 –

Die Zorki ist eine meiner Lieblingskameras. Ich hatte das große Glück, dass ich sie auf einer Kamerabörse für kleines Geld erwerben konnte. Sie wird auch Russenleica genannt.

Bei meinem Modell handelt es sich um eine Zorki 4.

Ursprünglich hatte man in der damaligen Sowjetunion einfach die Leica II nachgebaut und dann weiterentwickelt. Die Zorki 4 ist die 4. Version und wurde von 1956 bis 1978 produziert, insgesamt ca. 1.700.000 Stück.
An der Seriennummer ist ersichtlich, dass mein Exemplar aus dem Jahr 1961 stammt.
Wie bei allen Zorki-Kameras handelt es sich um relativ grobschlächtige Apparate, die man nicht mit Leicas oder Nikons vergleichen kann. Der Filmtransport ist so schwergängig, dass man am liebsten eine Rohrzange benutzen möchte.

Meine Zorki hatte noch andere Macken. So funktionierten z. B. die langen Belichtungszeiten nicht. Aber es gibt genügend Infos im Netz, um diese Problemchen zu beheben.

 

Film

Man kann jeden handelsüblichen Kleinbildfilm verwenden. Anders als bei den Schraubleicas muss der Filmanfang nicht zugeschnitten werden. Auch das Laden des Filmes ist erheblich leichter als beim Vorbild, weil die Rückwand abgenommen werden kann. Nach dem Einlegen des Filmes darf man natürlich nicht vergessen, das Zählwerk auf Null zu stellen, sonst weiß man nicht, wieviele Aufnahmen gemacht wurden.

 

Verschluss

Die Zorki ist eine rein mechanische Kamera und hat einen vertikal ablaufenden Tuchverschluss. Die kurzen Zeiten bis 1/60 Sekunde werden über die Breite des Schlitzes gebildet. Bei den längeren Zeiten wird das Fenster komplett geöffnet. Es gibt Verschlusszeiten von 1 bis zur 1/1000 Sekunde und zusätzlich B. Ganz wichtig ist, dass die Verschlusszeit erst nach dem Spannen bzw. Filmtransport verstellt werden darf, ansonsten zerstört man die Verschlussmechanik. Eine Batterie braucht man nicht.

Sucher

Es handelt sich um eine Messsucherkamera, d.h. dass man am Objektiv den Entfernungsring solange dreht, bis sich in der Suchermitte das sogenannte Mischbild überlappt, was erstaunlich gut funktioniert. Der Sucher ist ausreichend hell, das Mischbild ist gut sichtbar und relativ genau.

Als Brillenträger kann man leider nicht das gesamte Sucherfeld überblicken.

 

Belichtungsmesser

Einen Belichtungsmesser gibt es nicht. Man muss also:
– Die Belichtung schätzen, was sehr schwierig ist.
– Eine Belichtungstabelle nutzen, was etwas weniger schwierig ist.
– Die Belichtung mit einer anderen Kamera messen, was sehr uncool ist.
– Eine App auf dem Smartphone nutzen, was extrem uncool ist.
– Einen externen Belichtungsmesser benutzen, wie früher üblich.

 

Objektiv

Beim Objektiv handelt es sich um ein Jupiter 8 mit 50 mm Brennweite und einer ordentlichen Lichtstärke von 2,0. Die Linse ist bei offener Blende sehr weich, was aber kein Nachteil darstellt, wenn man sich dessen bewusst ist. Ab Blende 5,6 ist die Schärfe dann sehr gut. Der Blendenring hat keine Rasterung, woran man sich erst gewöhnen muss.

Die Kamera hat einen M39 Schraubanschluss. Die Objektive passen also auch an eine Schraubleica. Man kann natürlich auch Leicalinsen an eine Zorki schrauben.

 

Fazit:

Wenn man das Glück hat, eine funktionierende Zorki 4 zu erwischen, sollte man zuschlagen. Das Fotografieren ist etwas mühselig, macht aber sehr viel Spaß, die Ergebnisse sind absolut OK und man wird öfters von älteren Herrschaften auf die Kamera angesprochen.
Eine funktionierende Zorki 4 kostet ca. 40–50 €. Schraubleicas kosten mindestens das 10-fache, bieten aber auch eine andere Haptik.

Eine Bedienungsanleitung gibt es hier:
https://www.g-st.ch/privat/kameras/zorki4manual.html#herausnehmen